26.06.2015 – 14:52 | Kein Kommentar

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Die passende Rolle: Wie schüchterne Handwerker sicher auftreten

Eingetragen von am 03.06.2015 – 09:35Kein Kommentar

Überzeugend und authentisch mit Techniken aus der Theaterpädagogik

Wer gut am Werkzeug ist, tut sich manchmal schwer damit, einen Kunden von der besten Lösung zu überzeugen oder seine Ideen vor seinem Team zu präsentieren. Kommunikationsexperten meinen aber, dass Betrieben Schaden droht, wenn die eigentlichen Handwerksprofis in bei Technikern, Meistern und Gesellen zu wenig gehört werden. Wir geben Tipps, wie sich Introvertierte besser durchsetzen.

„Ich kenne selbst gestandene Meister, die wie ich selbst sehr introvertierte Typen sind. Aber in einer Rolle kann ich auf der Bühne sehr aus mir herausgehen“, weiß Stefan Rihl, der seit Kurzem ein Seminar für Schüchterne anbietet. Als Schüler und in der Studentenzeit habe er Panik vor den Referaten und Präsentationen gehabt, manchmal nächtelang nicht geschlafen. „Ich glaube, dass das Schauspiel Techniken bereithält, die Menschen helfen können, mehr von sich zu zeigen“, ergänzt der Akteur mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung.

Eine Rolle spielen: Ja. Sich verstellen: Nein.
Dabei gehe es seiner Meinung nach vor allem darum, eine Rolle zu finden, in der sich zurückhaltende Handwerker nicht verstellen müssen. Denn jeder habe mehrere Facetten in seiner Persönlichkeit, die nur ans Tageslicht müssen. „Es ist wichtig, sich einmal von außen zu analysieren und mit dem Schauspiel mehr Kontrolle über das eigene Verhalten zu bekommen“, sagt der Theaterpädagoge.

Rhetoriktrainer Peter Flume weiß ebenfalls, dass die Stimmen der Handwerker beim Kundenauftrag zählen sollte. „Im modernen Arbeitsleben geht es ohne Kommunikation und Präsentation gar nicht mehr“, sagt der Trainer. Menschen, die ein Problem damit haben, in einem Gespräch zu argumentieren oder das eigene Vorgehen schlüssig rüberzubringen, rät er, sich vor allem gut auf die Situation vorzubereiten.

„Letztlich laufen Meetings und Aussprachen oft nach dem gleichen Schema ab, es geht darum sich einen Fahrplan zurecht zu legen, an den wir uns halten können“, sagt Flume. Einen solchen Leitfaden entwickelt er mit Schüchternen in seinen Trainings. Er rät introvertierten Maurern, Schreinern und Konditoren, zu kurzfristig angesetzte Kundengespräche notfalls zu verschieben, um den Stressfaktor nicht unnötig zu erhöhen. „Wer unvorbereitet in eine angstmachende Veranstaltung gerät, lässt sich von der Panik kontrollieren, statt souverän zu argumentieren“, weiß der Kommunikationsexperte.

Eine Rolle schützt wie eine Regenjacke
Auch Schauspielexperte Rihl rät zum sicheren und stabilen Vorgehen. „Wir entwickeln in meinen Veranstaltungen gemeinsam eine Rolle, die uns vor Angriffen von außen schützt. Innerhalb derer wir freier agieren können, die wir aber trotzdem mit unserer Persönlichkeit vereinbaren können“, erläutert Rihl sein Konzept. Im zweitätigen Seminar schärft der Schauspieler zunächst das Bewusstsein für Inszenierung und macht den Teilnehmern klar, wie sie wirken wenn sie sprechen. Am zweiten Tag geht es mit Rollenspielen und Übungen in die Praxis. Einen Tipp gibt er introvertierten IT-lern: „Machen Sie sich Ihre Stärken klar und spielen diese klar aus. Beispielsweise, dass Sie sehr kreativ sind oder logisch denken können.“ Rihl und Flume wollen aus ihren Teilnehmern keine anderen Menschen machen, sondern eine Methodik entwickeln, die Energie der Introvertierten nach außen zu lenken, statt nach innen.

Tipps: So kommen Schüchterne souverän rüber
1.    Gehen Sie nie unvorbereitet in ein Meeting oder eine Präsentation.
2.    Ist der Termin zu kurzfristig angesetzt: verschieben sie ihn, mit dem Argument, sich so besser vorbereiten zu können.
3.    Analysieren Sie angstmachende Situationen und legen sich einen Fahrplan zurecht, nach dem Sie Ihre Argumentation gestalten wollen.
4.    Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken und spielen diese gezielt aus.
5.    Finden Sie eine „Rolle“, die Sie spielen können, ohne sich zu verstellen. So bekommen Sie Distanz zu sich selbst und Kontrolle darüber, was im Gespräch passiert.

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