Kleider machen Leute, Olga macht Kleider. Interview mit Olga Fritzler
Olga Fritzler ist eine junge Frau aus Nürnberg die im Handwerk Fuß gefasst hat. Seit Beginn Ihrer Ausbildung zur Maßschneiderin bei Spitz Maßdesign in Erlangen 2009 hat dieses engagierte Talent viel erreicht. Im September 2011 machte sie sich schließlich selbstständig und stieg als Teilhaberin in ihren Ausbildungsbetrieb mit ein. Schaut Olga Fritzler zurück, kann sie auf zahlreiche Preise und Auszeichnungen stolz sein, welche auch die Aufmerksamkeit der Presse auf sie lenkten. Grund genug für Handwerk-Kompakt Olga Fritzler zu einem persönlichen Gespräch zu bitten.
Handwerk-Kompakt: Frau Fritzler, Sie haben 2008 Ihr Abitur in Eichstätt gemacht und im Anschluß einen handwerklichen Beruf ergriffen. Aus welchem Grund haben Sie sich entschieden nicht zu studieren, sondern eine Lehre als Maßschneiderin zu beginnen?
Olga Fritzler: Mir war schon lange klar, dass ich nach meinem Schulabschluss einen kreativen Beruf erlernen möchte. Da ich Mode stets spannend fand, beschloss ich einen Nähkurs zu machen um einen Einblick in diesen Beruf zu bekommen. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich süchtig. Was mich an diesem Beruf fasziniert, ist die Verbindung von handwerklichem Geschick, Kreativität und technischem Verstand. Außerdem wollte ich meine Ausbildung in einem familiären Umfeld machen, wo ich nicht eine von hunderten bin, wie das in vielen Hochschulen der Fall ist. Als ich dann Susanne Spitz getroffen habe, war klar ich mach das. Ich hatte Glück bei einer Schneiderin gelandet zu sein, die so für ihren Beruf brennt und mir das in einem Praktikum wunderbar vermitteln konnte. Mir wurde ein Ausbildungsplatz in einem erfolgreichen Betrieb angeboten, in dem auch die Chemie stimmte. Also worauf noch warten?
Handwerk-Kompakt: Aufgrund der mangelnden freien Studienplätze wird nun auch Abiturienten empfohlen handwerkliche Berufe zu ergreifen. Dieses Thema wird derzeit heiß diskutiert. Wie stehen Sie zu dieser Empfehlung, wo Sie doch selbst diesen Weg gewählt haben?
Olga Fritzler: In einem Beruf wie meinem ist es von Vorteil, wenn man Abitur hat. Die Vereinbarkeit von kreativem und technischem Denken ist gefragt. Man muss vor Kunden auftreten und verkaufen können. Das Handwerk ist dabei sein Image aufzupolieren, indem es viel Geld in seine laufende Kampagne steckt, um Handwerksberufe für junge Menschen attraktiv zu machen. Da muss aber noch mehr passieren. Vielen Jugendlichen ist nicht bewusst, welch große Vielzahl wir an handwerklichen Berufen haben. In der Schule sollte man auf dieses Thema gezielt eingehen und den Schülern die Möglichkeit auf einen handwerklichen Beruf nahe bringen.
Handwerk-Kompakt: Können Sie in wenigen Sätzen beschreiben welche Tätigkeiten zum Beruf einer Maßschneiderin gehören?Olga Fritzler: Der Kunde kommt ins Geschäft und wird hinsichtlich Design, Material und Typ beraten. Wenn der Entwurf steht, wird der Schnitt gefertigt. Nun Beginnt die Umsetzung von einem 2D – Stoff in ein 3D- Kleidungsstück. Meistens benötigt man drei Anproben bei einem Maßstück. Wenn der Kunde mit meiner Arbeit zufrieden ist, bin ich das auch und für den Moment das glücklichste Mädchen der Welt mit dem tollsten Beruf.
Handwerk-Kompakt: Sie haben nun schon zahlreiche Auszeichnungen bekommen und Preise gewonnen. Wenn man Ihre Arbeiten betrachtet erkennt man welche enorme Kreativität in Ihnen steckt. Wie gelingt es Ihnen stets kreativ zu sein und immer neue Ideen zu entwickeln? Welche Einflüsse haben Sie?
Olga Fritzler: Erst mal finde ich das sehr schmeichelhaft, dass sie meine Arbeiten als „enorm kreativ“ bezeichnen. Die Ideen kommen einfach auf mich zu, ich kann da nichts dafür! Ich glaube, wenn man von einer Sache so begeistert ist, wie ich das von meinem Beruf bin, geschieht das mit der Kreativität von alleine. Klar schaue ich in die ein oder andere Modezeitschrift, aber mein Interesse liegt nicht darin jeden Trend zu verfolgen. Vielmehr inspiriert mich mein Umfeld. Dazu gehören alle Menschen die mich umgeben und mich mit ihrer Persönlichkeit faszinieren oder auch nicht.
Handwerk-Kompakt: Seit September 2011 sind Sie selbstständig und Teilhaberin von Spitz Maßdesign. Hat sich seitdem etwas in Ihrem Berufsleben
verändert? Wie gehen Sie mit der hohen Verantwortung um?Olga Fritzler: Da fragen sie mich was! Das mit der Selbstständigkeit ist nicht einfach. Man kann sich nicht mehr hinter der Chefin verstecken und die ganze Verantwortung von sich wegschieben, so wie man sich das noch während der Ausbildung leisten konnte. Jetzt bin ich selber groß und muss mich um die Gewinnung von Kunden, meine Präsenz und die Buchhaltung kümmern. Aber es macht Spaß und man lernt jeden Tag aufs Neue.
Handwerk-Kompakt: Nun sind Sie seit 2011 Gesellin in Ihrem Handwerk. Planen Sie auch den Meistertitel zu erlangen?
Olga Fritzler: Der kommt garantiert! Schließlich will ich ja nicht für immer auf Susannes Hilfe bei der Schnitterstellung angewiesen sein.

Handwerk-Kompakt: Abschließend. Macht Ihnen Ihr Beruf noch Freude Frau Fritzler?
Olga Fritzler: Aber sicher doch! Es gibt nichts schöneres, als nach einem langen, anstrengendem Arbeitstag ein fertiges Kleidungsstück in den Händen zu halten und zu sehen was man den ganzen Tag gemacht hat.
Handwerk-Kompakt: Vielen Dank für das Gespräch Frau Fritzler und alles Gute für Ihre Zukunft.
Spitz Maßdesign
Über den Autor:
Michael Ludwig Gruber ist Online Redakteur bei Handwerk-kompakt.
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